Ohne Auto durch Andorra – wie man sich im kleinen Bergstaat wirklich bewegt
Was macht man eigentlich, wenn der Bus einen in Andorra absetzt und der eigene Mietwagen Hunderte Kilometer entfernt steht? Genau diese Frage stellt sich erstaunlich schnell. Auf der Karte wirkt das Land winzig, beinahe so, als könne man vieles einfach zu Fuß erledigen. Vor Ort merkt man jedoch, dass Entfernungen in den Pyrenäen anders funktionieren. Fünf Kilometer auf der Karte können einen kräftigen Anstieg, enge Straßen und überraschend lange Wege bedeuten.
Ich halte Andorra trotzdem für ein Reiseziel, das sich gut ohne eigenes Auto erkunden lässt – allerdings nur, wenn man seine Unterkunft und Tagesplanung etwas bewusster auswählt. Wer spontan von einem abgelegenen Bergdorf zum nächsten fahren möchte, wird mit einem Auto glücklicher sein. Für Andorra la Vella, Escaldes-Engordany und viele größere Orte sieht die Sache deutlich entspannter aus.
Der öffentliche Bus ist wichtiger, als man zunächst denkt
Das Rückgrat des Alltagsverkehrs sind die Linienbusse. Sie verbinden die Hauptstadt mit Orten wie Encamp, Canillo, La Massana, Ordino oder Sant Julià de Lòria. Gerade entlang der Haupttäler funktionieren diese Verbindungen erstaunlich brauchbar. Ich würde allerdings nicht davon ausgehen, dass man jederzeit innerhalb weniger Minuten weiterkommt. Andorra ist kein Großstadtgebiet mit dichtem U-Bahn-Takt.
Wer morgens zu einer Wanderung aufbrechen oder abends in einem anderen Ort essen möchte, sollte die Rückfahrt vorher prüfen. Besonders am Abend wird die Auswahl kleiner. Ein kleiner praktischer Punkt: Haltestellen liegen nicht immer dort, wo man sie intuitiv erwartet. In den enger bebauten Orten können Hin- und Rückfahrt außerdem auf unterschiedlichen Straßenseiten beziehungsweise Parallelstraßen verlaufen.
Die Unterkunft entscheidet über erstaunlich viel
Ohne Auto würde ich nicht einfach das schönste Hotel auswählen, sondern zunächst auf die Lage schauen. Ein Zimmer mitten in Andorra la Vella oder Escaldes-Engordany spart im Verlauf mehrerer Tage sehr viel Organisation. Restaurants, Geschäfte, die Caldea-Therme und zahlreiche Busverbindungen liegen dann praktisch vor der Tür.
Ähnlich sinnvoll können Encamp oder La Massana sein, wenn Wanderungen oder Wintersport im Mittelpunkt stehen. Schwieriger wird es bei kleinen Unterkünften oberhalb der Talorte. Ein Hotel, das online nur zwei Kilometer vom Zentrum entfernt erscheint, kann über eine steile Straße erreichbar sein. Nach einem langen Wandertag fühlt sich dieser Unterschied ziemlich deutlich an.
Die Planung beginnt deshalb eigentlich schon vor der Ankunft. Wer noch überlegt, über welche Route Spanien oder Frankreich am sinnvollsten ist, sollte auch die verschiedenen Möglichkeiten für die Anreise nach Andorra berücksichtigen. Ankunftsort und Unterkunft lassen sich dann wesentlich besser aufeinander abstimmen.
Wann ich trotzdem ein Taxi nehmen würde
Taxis sind für mich in Andorra weniger ein Verkehrsmittel für den ganzen Urlaub als eine praktische Ergänzung. Sie lösen genau jene Situationen, in denen der Busplan unbequem wird: früher Start zu einer Wanderung, schweres Gepäck, späte Rückkehr vom Restaurant oder eine Unterkunft abseits der Hauptstraße.
Besonders bei zwei oder drei Reisenden relativiert sich der Preis schnell. Eine kurze Taxifahrt kann angenehmer sein, als eine Stunde auf den nächsten Bus zu warten. Für längere Strecken würde ich den Preis allerdings vorher klären.
Zu Fuß geht viel – aber nicht alles ist ein Spaziergang
Innerhalb von Andorra la Vella und Escaldes kann man erstaunlich viel laufen. Die beiden Orte gehen nahezu ineinander über. Für Einkaufsstraßen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten braucht man dort meist kein Fahrzeug. Trotzdem sollte man die Höhenunterschiede nicht unterschätzen.
Für Tage ohne Auto halte ich folgende Kombinationen für besonders unkompliziert:
- Andorra la Vella und Escaldes-Engordany vollständig zu Fuß erkunden,
- mit dem Linienbus nach Ordino fahren und den historischen Ortskern besuchen,
- La Massana als Ausgangspunkt für Bergaktivitäten nutzen,
- Encamp mit Bus und Seilbahn beziehungsweise Bergbahn kombinieren,
- für abgelegenere Ausgangspunkte gezielt ein Taxi einplanen.
Wer wandern möchte, sollte außerdem zwischen einem Spaziergang im Tal und einer echten Bergtour unterscheiden. Manche Routen enden weit entfernt von der Stelle, an der sie beginnen. Ohne Auto sind Rundwege oder Wanderungen mit guter Busanbindung deshalb meist die angenehmere Wahl.
Ein Mietwagen verändert die Reise, ist aber kein Muss
Mit einem Auto gewinnt man natürlich Freiheit. Kleine Seitentäler, Aussichtspunkte und abgelegene Wanderparkplätze werden wesentlich einfacher erreichbar. Gleichzeitig bringt ein Wagen in Andorra la Vella auch Nachteile: dichter Verkehr zu bestimmten Tageszeiten, Parkhäuser und die Suche nach einem Stellplatz.
Für einen kurzen Aufenthalt von drei oder vier Tagen würde ich persönlich nicht automatisch einen Mietwagen buchen. Wer zentral wohnt und hauptsächlich Hauptstadt, bekannte Orte und gut erschlossene Bergregionen sehen möchte, kommt mit Bus, Fußwegen und gelegentlichem Taxi erstaunlich weit.
Andorra wirkt auf der Landkarte wie ein Ort, an dem Mobilität nebensächlich sein müsste. Tatsächlich beeinflusst sie die Reise stärker, als die geringe Landesgröße vermuten lässt. Gerade darin liegt aber auch ein gewisser Reiz: Man beginnt schnell, nicht mehr in Kilometern zu denken, sondern in Tälern, Höhenmetern und Verbindungen. Und irgendwann erscheint eine halbstündige Busfahrt zwischen hohen Berghängen weniger wie notwendiger Transport und mehr wie ein Teil der Reise selbst.
